Leben nach dem inneren Kompass


#mirschaffedas

Glück und Zufriedenheit – alle wollen es erreichen. Von einer etwas anderen Perspektive aus der Palliative-Betreuung können wir viel lernen. Leben und Sterben – was das eine mit dem anderen aus psychologischer Sicht zu tun hat.



Bronnie Ware* begleitete über Jahre Menschen in den letzten Wochen vor ihrem Ableben. Auf dem Sterbebett hatten sie sich ihr geöffnet und Einblicke in deren grössten Bedauern des eigenen Lebens gewährt (übersetzt aus dem Englischen):

  1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, ein Leben passend zu mir und nicht ein Leben nach den Erwartungen anderer zu leben.

  2. Ich wünschte, ich hätte weniger hart gearbeitet.

  3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.

  4. Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.

  5. Ich wünschte, ich hätte mich glücklicher sein lassen.

Die Liste stimmt nachdenklich und macht betroffen. Gerade wenn wir uns in einem Punkt wiedererkennen, aber auch wenn wir mit der Endlichkeit unseres Seins konfrontiert werden. Aus psychologischer Sicht ist das auch gut so. Es lässt einem sein zeitlich beschränktes Leben überprüfen: Gehe ich auf meinem Lebensweg in die gewollte Richtung? Setze ich meine Energie passend zu mir ein?


Was beim Wandern die Richtung ist, sind im Leben die von uns freigewählten Werte. Sie erfüllen die Funktion eines Kompasses: sie helfen die Richtung zu wählen und zu überprüfen, ob diese noch stimmt. Aufgrund ihrer Funktion sind sie niemals erreichbar. Dafür sind konkrete Ziele im Leben da, das zu erreichende Soll. Sehen wir uns auf dem Weg zur Verringerung dieses Solls oder scheint die Diskrepanz zwischen Ist und Soll klein, dann sind wir zufriedener. Aus diesem Grund ist es wichtig, diese klug und ausbalanciert festzulegen. Als Folge auch mal ein Ziel anzupassen oder gar ganz aufzugeben. Mit verschiedenen Plänen können wir uns am selben Wert orientieren.


Das gelegentliche Gedankenspiel «Wenn ich morgen sterben würde, was würde ich bereuen?» ist eine Möglichkeit, sich dem inneren Kompass anzunähern und daraus abgeleitet passende (neue) Ziele und Wege zu gehen. Kurzfristig nicht immer das Glücksgefühl, aber langfristig führt es zu einem inneren anhaltenderen Frieden.

 

*Wer ist Bronnie Ware? Bronnie Ware ist Australierin und arbeitete als Krankenschwester in der Palliative-Betreuung (Betreuung von todkranken Menschen).


Webseite und Bücher von Bronnie Ware – in Englisch: https://bronnieware.com/

 


Autorin: Andrea Jenzer

Psychologin FSP, in der Wirtschaft und im Sport

www.bergerimpression.ch







Quellen:

Literatur:

Wengenroth, M. (2017). Therapie-Tools. Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) (2.Auflage). Beltz Verlag.

Reinhardt, S. (2014). Zufriedenheit. Das wahre Glück. Psychologie heute, Januar-Ausgabe.

The Guardian (2016). Top five regrets of the dying. https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2012/feb/01/top-five-regrets-of-the-dying.

Bildquellen: Unsplash.com (28.01.2022; Himesh Kumar)






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