Die eigene Balance finden

Aktualisiert: 17. März

#mirschaffedas

Die Bedeutsamkeit von einer ausgewogenen Balance zwischen Arbeit und Privatleben in Zeiten von Corona. Wir verraten Ihnen unsere Tipps und Tricks, damit Sie in Balance bleiben.


Turbulente Zeiten

Seit Corona in unseren Alltag Einzug gehalten hat, ist nichts mehr so, wie es mal war. Unser täglicher Rhythmus, unsere Aktivitäten, Aufgaben, Erholungsräume und -phasen haben sich seither komplett verändert. Was vor Corona in den meisten Fällen getrennt war – nämlich der Wohn- und Arbeitsort – war mit der Arbeit im Homeoffice nun plötzlich vereint. Vielleicht eine Chance für eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. des Privatlebens? Was, auf der einen Seite als Vorteil angesehen werden kann, hat jedoch eine Kehrseite – nämlich, keine Trennung zwischen diesen Bereichen. Wohn- und Arbeitsort und gar der Freizeitbereich finden grösstenteils in unseren eigenen vier Wänden statt. Egal, ob man als Familie, Paar oder Single lebt, die Bedeutsamkeit von einer ausgewogenen Balance zwischen Privat- und Berufsleben gewinnt in dieser besonderen Situation an Bedeutung, um mental und physisch fit zu bleiben.


Was können Sie tun, um in Balance zu bleiben?

Auch, wenn die Corona-Massnahmen soeben wieder gelockert wurden, wird der Homeofficeplatz ein neuer Bestandteil in unserer Arbeitswelt bleiben. Um im Alltag, gerade in einer Pandemie, fit zu bleiben und eine Ausgewogenheit zwischen einer geistigen und körperlichen Gesundheit realisieren zu können, gilt es verschieden Aspekte zu beachten.

Aktuell verschwimmen unter Corona und der damit verbundenen Arbeit im Homeoffice beide Bereiche, die des Privatlebens und die des Berufs. Eine räumliche Abgrenzung lässt sich nicht immer leicht realisieren, was dazu führt, dass z.B. der Ess- und Arbeits-, Schlaf- sowie Wohnplatz ein und derselbe Ort sind. Neben der räumlichen Abgrenzung der beiden Bereiche, ist auch der Tagesablauf in seiner Struktur verändert. Dieses bedeutet, dass die Aufgaben, statt wie an einem bisherigen klassischen Arbeitstag, jetzt in Form von Online-Meetings stattfinden und sehr viel dichter gedrängt sind. Die digitalen Kommunikationsmittel ermöglichen es, dass sich die bisher verschiedenen Meetingräume an ein und demselben Ort befinden. Nicht selten passiert es da, dass Mitarbeitende stundenlang vor dem Bildschirm sitzen, ohne aufzustehen, um den Arbeitsort kurzzeitig zu verlassen. Für eine gute Balance zwischen Work und Life ist es daher wichtig, gezielt Pausen in seinen Alltag einzubauen.


Pausen einlegen

Bewusst Pausen einzulegen zwischen den Meetings und während der Arbeitszeit sowie den Arbeitsort in der Wohnung zu verlassen, waren bereits an bisherigen normalen Arbeitstagen wichtig für die Balance. In Corona-Zeiten gewinnt dies ganz besonders an Bedeutung. Idealerweise organisieren Sie sich beispielsweise den Arbeitstag so, dass Sie im Kalender Zeitfenster eintragen, die klar als Pausen definiert und auch für andere sichtbar sind. Dieses legitimiert Mitarbeitende, nicht immer zur Verfügung zu stehen. Diese Pausen sollten so gestaltet sein, dass der eigene «Akku» bewusst wieder auflädt. Trinken Sie einen Kaffee auf dem Balkon, im Garten oder der Küche, gönnen Sie sich einen kurzen Spaziergang in der Mittagspause nach dem Essen – oder einen Powernap (lesen Sie hierzu den Beitrag zu "Powernap"). Gsünder Basel führt übrigens jeden Dienstag von 09.45-10.00 Uhr eine kostenlose virtuelle Bewegungspause durch – testen Sie es doch einfach mal aus (HIER teilnehmen). Dies sind alles Beispiele, für eine kurze aber effektive Erholung und Abgrenzung zum Arbeitsort und um dadurch wieder neue Kraft zu schöpfen.


Tagesstruktur festlegen

Im Zusammenhang mit der Balance, spielt auch die Tagesstruktur eine wichtige Rolle. Ein häufiger Fehler besteht darin, neben den geplanten Arbeiten und Aktivitäten, alles zu bearbeiten, was spontan anfällt. Dieses führt auf Dauer zu Ermüdung, Demotivation und Leistungsabfall. Eine gute Struktur, die vorgibt, welche wichtigen Aufgaben und Meetings im Beruf und Privatleben anstehen, sind unerlässlich, um in einer guten Balance zu bleiben. Planen Sie bspw. frühzeitig, Ihren nächsten (Arbeits-)Tag und schreiben Sie sich alle zu bearbeitenden Aufgaben und To Do's für beide Lebensbereiche auf. So verschaffen Sie sich den erforderlichen Überblick. Mit diesem Vorgehen kann man nun priorisieren, welche Aufgaben am wichtigsten sind und wie sie in Balance zwischen beiden Lebensbereichen stehen

In dieser Tagesstruktur sollten dann auch die Pausen und Zeitfenster für sich selber, für die Familie sowie für die Freizeit eingeplant werden. Mit einer klaren Übersicht über den Tag und die anfallenden Aufgaben, gelingt es, stressigen Situationen, in denen sich alles überlagert, vorzubeugen, bzw. diese zu minimieren.


Räumliche Abgrenzung

Wie uns die Erfahrung der letzten Monate gezeigt hat, findet unser ganzes Leben plötzlich an ein und demselben Ort statt. Leben mehrere Familienmitglieder in einer Wohnung dauerhaft den ganzen Tag eng aufeinander, ohne die bisherigen Freiräume, liegt es auf der Hand, dass es zu Konflikten und Spannungen kommen kann. Es gibt in dieser aussergewöhnlichen Konstellation auf engstem Raum, kaum die Möglichkeit einer ausreichenden räumlichen Abgrenzung. In Mehrpersonenhaushalten ist es ungewohnt, dass die verschiedenen Familienmitglieder, die häusliche Umgebung nicht mehr nur primär für ihr Privatleben nutzen, sondern gleichsam auch für die Arbeit und die Schule. Um auch hier eine gute Balance zwischen der Berufs- und Lebenswelt innerhalb der Familie bzw. unter den Lebenspartnern innerhalb einer Wohnung zu realisieren, hilft es, sich klar räumlich abgrenzen zu können. Gute und klare Absprachen zwischen den Familienmitgliedern oder gemeinsamen Bewohnern, wer sich wann an welchem Ort aufhält, um entweder zu arbeiten oder sein Leben als Privatperson, zu leben, helfen Spannungen und Konflikten vorzubeugen. Ebenso unterstützen klare Vereinbarungen und Regeln innerhalb der Wohngemeinschaft, wie z.B. wenn die Schlaf- oder Kinderzimmertür zu ist, dann darf nicht gestört werden oder zu welchen Zeiten darf Musik gehört bzw. Fernsehen gesehen werden. Je klarer die Regeln und die räumliche Abgrenzung mit allen abgesprochen und von allen praktiziert werden, desto besser geht es allen Mitgliedern innerhalb einer Wohnung – egal ob Familie, WG oder Paar. Eine gute Balance kann somit viel einfacher realisiert werden.


Soziale Beziehungen

Findet eine Überlagerung und Fokussierung auf die Arbeit, also der Arbeitswelt statt oder im Privatleben, der Lebenswelt, haben wir weniger Raum oder sogar plötzlich gar keinen mehr, für soziale Beziehungen. Da der Mensch ein «soziales Wesen» ist, benötigen wir jedoch den sozialen Austausch und die Begegnung mit anderen Menschen. Dieses können Menschen sein, die zu unserer nächsten Familie gehören, genauso wie gute Freunde, Bekannte oder Nachbarn. All diese Menschen tragen dazu bei, dass wir uns wohlfühlen, wir Dinge mit ihnen austauschen und vielleicht auch die ein oder andere Sorge platzieren können. Die Personen, mit denen wir soziale Beziehungen haben, sind für unser Leben häufig der «Kit», mit dem das Fenster hält. Fehlen viele dieser Personen plötzlich in unserem Leben, fehlt es auch an den gewohnten Begegnungen und dem zwischenmenschlichen Austausch. Unsere Seele leidet und wir geraten mental in eine Unausgewogenheit. Um auch mental in Balance zu sein, ist es daher unerlässlich, die sozialen Beziehungen zu pflegen, die leicht durch zu viel Arbeit oder zu viele Aufgaben im Privatleben, zu kurz kommen. Damit wir nicht in eine mentale Schieflage geraten, sollte daher darauf geachtet werden, wie viele Zeitfenster in der neuen Konstellation hierfür pro Tag oder Woche verbleiben. Die Planung von Treffen oder Aktivitäten mit dem sozialen Umfeld, stellt wie bei geschäftlichen Terminen, eine Verbindlichkeit sicher und dass diese auch wirklich wahrgenommen werden. Auch wenn unter Zeitdruck häufig geglaubt wird, keine Zeit für den sozialen Austausch mehr zu haben, zeigt sich, dass dies zu einer Dysbalance und schliesslich zu Unbehagen führt. Es ist daher enorm wichtig, sich Zeit und Aufmerksamkeit für die sozialen Beziehungen zu nehmen. In Zeiten von Homeoffice und noch immer teilweise eingeschränkter Möglichkeit eines physischen Treffens, können hierfür auch digitale Medien aktiv genutzt werden, um sich wenigstens virtuell auszutauschen


Fokus auf positive Dinge

Wie wir unser Leben betrachten, ob Arbeits- und oder Privatwelt, hängt von uns als Person ab. Das Bewusstsein und die Haltung, sind neben Werten, Erfahrungen und Einstellungen, die Elemente, die uns Dinge betrachten bzw. bewerten lassen. Das Sprichwort – mein «Glas ist halbvoll oder halbleer» – trifft den Mechanismus der Betrachtung und damit, was wir selber tun können, um unsere Welt positiv zu betrachten, sehr gut. Denn eine positive Lebenseinstellung von uns und unserem Leben, hilft uns mit uns stimmig und ausgewogen zu sein. Wie können wir jedoch auch in diesen Zeiten, die herausfordernd sind oder viele Dinge anstrengend und stressig erscheinen lassen, eine positive Haltung entwickeln? Wir müssen uns auf die positiven Dinge fokussieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese in der Vergangenheit liegen, sie gerade in der Gegenwart als positiv empfunden werden oder sogar noch in der Zukunft liegen. Wichtig ist, dass wir sie abrufen können. Sei es beim Zähneputzen am Morgen, beim Gang zum Briefkasten oder am Abend, wenn wir es uns gemütlich machen. Wir können unser Gehirn konditionieren, indem wir uns an diese guten Ereignisse oder Dinge erinnern und diese in den Vordergrund stellen.


FAZIT

Mit uns und unserem Leben stimmig zu sein und in Balance zu bleiben, mental und physisch und insbesondere mit den Aufgaben, Rollen, Anforderungen zwischen der Arbeits- und Privatwelt, ist für jeden von uns bedeutsam. Egal in welcher Lebensphase wir uns zwischen der Lebens- und Arbeitswelt bewegen, sollten wir versuchen unsere Bedürfnisse, Aufgaben und Anforderungen in einer Ausgewogenheit zu bekommen und somit eine gute Work Life Balance herzustellen. Die hier aufgezeigten Tipps und Tricks sind kleine Unterstützer, um in einer balancierten Relation zwischen Work (Arbeit) und Life (Leben) zu bleiben. Letztlich liegt es an jedem selber, immer wieder zu überprüfen, wie gute die Work Life Balance momentan ist, um dann gegebenenfalls nachzuschärfen oder um zu prüfen, an welchem Hebel gedreht werden kann, um aus einer Dysbalance wieder herauszufinden.



Autorin: Dr. Kerstin Helfmann, Spezialistin für Work Life Balance und Themen, wie Stress, Gesundheit und Führung.

www.helfmann.com












Quelle Bild: Dr. Helfmann Consulting

Quelle Text: Dr. Kerstin Helfmann



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